1. Die Entwicklung des Löbauer Schulwesens

Die Anfänge des Löbauer Schulwesens sind in der alten "Pfarrschule" zu finden.

Die Löbauer Pfarrschule war dem Stadtpfarrer unterstellt, der für das Lehramt einen Gehilfen hatte, den "Kindermeister", "Schulmeister" oder "Rektor". Ihm unterlagen außer dem Unterricht auch der Gesang und verschiedene Verrichtungen mit den Schulknaben in der Kirche. Da die Stadt bei der Besoldung dieses Mannes mitwirkte und ihm die Jugend anvertraute, ist es erklärlich, dass sie das Patronatsrecht über die Schule anstrebte und auch erwarb. So wurde aus der Pfarrschule auch in Löbau eine "Stadtschule". 

Als um 1564 die letzten Mönche das Löbauer Kloster verließen, stand das Gebäude somit leer. Kaiser Maximilian II. überließ das Kloster den Löbauer Bürgern für Schulzwecke. 

1566 konnte dann die sogenannte lateinische Schule Einzug in das ehemalige Kloster halten. Die Löbauer Stadtschule wurde eine "Trivialschule", .d.h. eine lateinische Vorbereitungsschule. Sie sollte die Knaben dahin bringen, ein Gymnasium und dann eine Universität besuchen zu können. Damit hörte die Löbauer Schule auf, allen Kreisen der Löbauer Bürgerschaft zugänglich zu sein.

1743 wurde sie sogar zu einem "Lyzeum" erhoben.  

Aus dem verständlichen Streben nach Volksunterricht entstanden in Löbau die sogenannten "Winkelschulen". Diese waren in einzelnen Häusern, Gruppen- oder Klassenweise untergebracht und der Unterricht wurde anfangs unerlaubt erteilt, wurde aber seitens des Rates zu Löbau geduldet.  

1818 erfolgte die Auflösung des Lyzeums und gleichzeitig der Winkelschulen.  

Am 5. Oktober 1818 fand in den Räumen des ehemaligen Lyzeums, im früheren Kloster die Einweihung der Bürgerschule zu Löbau statt.  

1854 wurde das ehemalige Klostergebäude abgerissen und auf dessen Grund die neue Schule, später 1.Bürgerschule, erbaut, die am 24.September 1855 eingeweiht wurde.  

Etwa ab 1835 begann die Entwicklung Löbaus zur Industriestadt. In diesem Jahr wurde in Tiefendorf bei Löbau eine "Rot - und Buntfärberei" gegründet. Bis zum Jahre 1896 wurden weitere 29 Fabriken und Betriebe errichtet, darunter 1859 die Pianofortefabrik August Förster, 1884  die Oberlausitzer Zuckerfabrik, 1892 die Maschinenfabrik und Metallgießerei der Gebr. Mühle und weitere Unternehmen. Mit dieser stürmischen Entwicklung war auch ein Anstieg der Bevölkerung verbunden.  

So zählte Löbau:       

1834

2.753 Einwohner

1898

9.052 Einwohner

1910

11.261 Einwohner

Löbau hatte bis 1848 nur eine Bürgerschule, das umgebaute ehemalige Franziskanerkloster bei der Löbauer Johanniskirche, das für eine weitere Aufnahme von Schülern völlig überfordert war.  

Dieser Situation folgend hatte der Rat zu Löbau am 13. Dezember 1895 beschlossen, eine neue Schule errichten zu lassen. Aus einem Brief des kgl. Bezirksarztes vom 13·März 1896, an die Schulinspektion zu Löbau wird die Lage deutlich: ". . . Dass die Löbauer Bürgerschule schon seit Jahren nicht mehr ausreicht und nur mit Not die Schulkinder fassen kann und daraus die denkbar ungünstigsten Verhältnisse auch in sanitärer Hinsicht entstanden sind und beständig fortdauern, ist wohl allgemein in Löbau bekannt."" . . . . was für ein Staubaufwirbeln auf den Korridoren in den Lehrzimmern. . . . . , ferner, wie die Kinder in den Lehrzimmern sitzen, einzelne in der Nähe der Öfen halb braten, andere dafür an den Fenstern frieren müssen. . . ." usw.  

 

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