4. Die "Pestalozzischule” Löbau in der Weimarer Republik, 1919-1933

18.06.1920 Löbau. In der am Donnerstagnachmittag unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Dr.Schaarschmidt abgehaltenen 2.öffentlichen Sitzung des Schulausschusses wurden u. a. folgende Beschlüsse gefasst...

...Ferner wurde beschlossen, die alte Schule am Brücknerring künftig "Preuskerschule" (Preusker ist ein in Löbau geborener Geschichtsforscher) und die neue Schule an der Bautzener Straße mit “Pestalozzischule” zu bezeichnen.

Somit erhielt die ursprüngliche 2. Bürgerschule ihren Namen “Pestalozzischule”.


15.03.1924 Mitteilung der Pestalozzischule an den Schulausschuß

Die Lehrerschaft der Pestalozzischule hat beschlossen, der  Anregung des Städ. Bez. Lehrerausschusses folgend,

1.      in 2 Klassen den Schulgartenunterricht in den Mittelpunkt des Unterrichts zu stellen,

2.      in den letzten 2 Schuljahren neben dem Kernunterricht von 28 Wochenstunden Gruppenunterricht in Sprachen, Naturwissenschaften, Kurzschrift, Zeichnen, Gesang, weibliche Arbeiten und Deutsch zu unterrichten.

3.      Auf dem Sportplatz an 2 Wochentagen je 2 Spielstunden abzuhalten

Sie bittet . . . zuzustimmen und zu 1. Land hinter der Turnhalle im Hospitalgrundstück zur Verfügung zu stellen.  


3.09.1922 Stadtgemeinderat beschließt Ordnung, für die Volks- und Fortbildungsschule:

§4 Der Schulausschuß setzt sich zusammen aus:

1. 6 Mitgliedern des Stadtgemeinderates, darunter 2 Ratsmitgliedern

2. einem Schulleiter und zwei Vertretern der Lehrerschaft

3. drei Vertretern der Elternschaft

4. einem Schularzt

§8 Selbstverwaltung der Schule

Die ständigen und nichtständigen Lehrer der Preusker- und Pestalozzischule bilden je eine Lehrerversammlung.

. . . die Rechte und Pflichten der Lehrerversammlung ergeben sich aus §10 des Übergangsschulgesetzes und den dazu erlassenen Ausführungsbestimmungen.

. . . sie geben sich Ihre Geschäftsordnung selbst, . . . sie ist einzuberufen, wenn der zuständige Lehrerrat es beschließt. . .,

§9. An der Preusker- und Pestalozzischule wird je ein aus 5 Mitgliedern bestehender Lehrerrat gebildet. Der L.R. ist Organ der Lehrerversammlung ...,er bereitet mit dem Schulleiter die Verhandlungsgegenstände für die Lehrerversammlung vor.

§l2.Die allgemeine Volksschule ist achtstufig. In ihr bestehen neben den Normalklassen noch Förderklassen. ... die, wenn das Bedürfnis das erfordert auszubauen und zu einer Hilfsschule zusammenzufassen sind. Die noch bestehenden Begabtenklassen sind abzubauen.

Nach §21 - genehmigt durch das Bezirksschulamt am 27.10.1922

Dr. Wünsche Bezirksschulrat


31.08.1923 betr. Turnhalle: Die Durchsicht der Halle ist laut Beschluß des Schulausschusses durchgeführt worden. Die sofortige Vornahme der unbedingt notwendigen Reparaturen war im Interesse der Stadt wegen Unfallgefahr bei Turnen und Aufenthalt in der Halle und wegen der bevorstehenden Geldentwertung sofort notwendig. So notierte der Turnhallenwart Herr Blass. Der Schulausschuß überwies 171.310.000.00 Mark.

Rechnungsvermerk: Sofortige netto Kasse andernfalls erfolgt Berechnung zu den am Zahlungseingang gültigen Tagespreisen.  


21.09.1924 Kulturtag der "Entschiedenen Schulreformer" in Löbau.

Aus den Thesen: Das Kind soll im freudigsten tätigten Ausleben seiner Eigenart heran wachsen zum gleichberechtigten Gliede des zukünftigen Weltstaates

Sächsischer  Postillion vom 21.Sept.1924


18.12.1924 Weihnachtsfeier für 320 Kinder, es wurde wiederum Bekleidung für bedürftige Kinder überreicht.


17.02.1927 Pestalozzifeier zum 100.Todestag im Stadthaussaale, Herr Lehrer Hame hält Festrede.


1927 auch Schulstatistiken und Fragebögen gab es bereits vor Jahren:

Die Schulstatistik "Kollegen der Pestalozzischule" weist dabei aus:

 

Michel, Karl OL

Plesky, Richard OL                          

Hartmann, Paul

Eichhorn, Hermann

Lange, Max

Rönsch, Paul

Teich, Hermann                              

Wenzel, Paul                                     

Walter, Kurt

Schöfer, Kurt                                         

Hame, Anton                                   

Geyer, Johannes                               

Geyer, Johannes

Ivengärtner, Katharina    

Hoffmann, Felix

Strahl, Arthur

Richter, Fritz

Schütz, Charlotte

Oliva, Martha

Clemens, Gerhard

Ein Fragebogen vom 28.02.1927:

 

- Gesamtzahl der Klassen:         

mit Schüler                     310

mit Schülerinnen             277

GESAMT:                        587

- Wöchentlich wird Nachhilfeunterricht erteilt,2 Stunden Deutsch mit 40 Kindern,

2 Stunden Rechnen mit 44Kindern.

- Schulkinder nach Glaubensbekenntnis:

Ev.-luth. : 551 Knaben und Mädchen,2 ev.-.ref., 11 röm.-kath.,  

1 israel., Andersgl. Diss. 22                        

- Schulärztliche Untersuchungen im 1., 4. u. 8. Schuljahr

- Zahl der Räume, die zur Schule gehören:

2o Kombinationszimmer, 1 Zeichensaal,Nadelarbeitszimmer 1 Physikzimmer mit  Nebenraum,1Schülerwerkstätte,1Doppelturnhalle,2Lehrmittelzimmer,1Schulleiterzimmer,1 Lehrzimmer, 1 Lernmittelverwaltung,1 Brausebad , 1 Schulküche mit Zubehör.

 


04.06.1929 Die Stadtverordneten beschließen mit Zustimmung  des Stadtrates  eine neue, überarbeitete Ortsschulordung.

Im § 7 wird die Zahl der verbindlichen Wochenstunden in der Volksschule genannt,

im 1 Schuljahr    18

Im 2 Schuljahr    20

Im 3 Schuljahr    24

Im 4 Schuljahr    26

Im 5-8 Schuljahr 30

§ 8- Unterrichtszeit für Volksschulen: Im Sommerhalbjahr Beginn 7 Uhr vormittags, im Winterhalbjahr Beginn 8 Uhr vormittags.


Notiz im Sächsischen Postillion vom 9. Oktober 1929:

Seit 3 Jahren besteht an der Schule die Einrichtung einer Hilfsschule für Kinder, die geistig zurückgeblieben sind. Mit Beschluß vom 6 Juli 1929 durch das Ministerium für Volksbildung wurden Herr Eichhorn und Herr Lange zu Hilfsschullehrern ernannt.


Schuljahr 1929/30- das Kollegium der Pestalozzischule.

Lehrerkollegium der Pestalozzischule in Löbau Jahrgang 1929 – 1930:

Herr Schöfer

Herr Walther

Herr Teich

Frau Thie geb: Schütz

Herr Michel (Schuldirektor)

Frau Ivengärtner

Herr Hame

Herr Eichhorn

Herr Funke

Herr Hartmann

Herr Plesky

Herr Hoffmann

Herr Krattner

Herr Berthold

Herr Bilz

Fräulin Oliva

Herr Wenzel

Herr Clemens

Herr Lange

Herr Neumann

Herr Geyer

Herr Rönsch

Anmerkung:

Bis zum 26.09.1930 war Herr Oberlehrer Michel Schulleiter.

Ab dem 26.09.1930 war Herr Oberlehrer Hame Schulleiter.

Herr Oberlehrer Schulleiter Michel, scheidet mit dem 26.09.1930 aus dem Bildungswesen aus, in den Ruhestand.

Sächsischer Postillion vom 26.09.1930

Der Schulleiter der Pestalozzischule Herr Oberlehr. Michel beendete mit dem gestrigen Tage seine langjährige Tätigkeit an den hiesigen Volksschulen. Nach Gesang des Kinderchores, unter der Leitung von Herrn Lehrer Wenzel, sprach der nunmehrige Schulleiter Herr Oberlehrer Hame. Auch Herr Schulleiter Vater von der Preuskerschule fand herzliche Worte des Dankes.

Der erste Bürgermeister Herr Dr. Ungethüm, dankte ihm für seine 44 1/2 jährige Tätigkeit. Seine Verdienste lagen in Heimatkunde, Heimatkarten und der Einführung des Schulgartens.

OL Karl Michel,geb.05.l0.1865 in Schönbach, besuchte die Volksschule in Lawalde, war 1880-86 Schüler am Seminar in Löbau, ab 3.5.1886 Hilfslehrer und von 1889 ständiger Lehrer in Löbau. Am 01.04.1898 zum, Oberlehrer ernannt. Von Michaelis 1916 gehörte er der Pestalozzischule an, zunächst als stellvertretender Direktor, ab 1919 als Schulleiter.


Am 2.Oktober 1930 konnte Herr Schuldirektor i. R. Wilhelm Pladeck seinen 75 Geburtstag feiern. Seit 1919 befindet er sich im Ruhestand.


Bericht von der Elternratssitzung im Sächsischen  Postillion vom 09.07.1931

Schulleiter Hame nimmt zu Vorwürfen des christlichen Elternvereins Stellung, über angebliche Mißstände an der Pestalozzischule. Er stellt klar, daß Lieder mit minderwertigem Charakter,  Gassenhauer, aber auch politische Lieder an der Schule nicht gesungen  werden dürfen. Die Schule wolle dem politischen Streit keinen Raum geben.


Sächsischer  Postillion vom 05.02.1932

Besichtigung der Kaserne durch die Lehrerschaft der Pestalozzischule. Herr OL Hame dankt für das Gebotene und betont die mannigfaltigen Beziehungen zwischen Reichswehr und Schule.


Sächsischer  Postillion vom 23.01.1932

Am 20. Januar sprach in der Ortsgruppe des, “Bundes Entschiedener Schulreformer” die Lehrerin von der Pestalozzischule, Fräulein Ivengärtner, Löbau, über "Die Frau im Schuldienst bzw. Problem Lehrerin und Mutterschaft" .


Sächsischer  Postillion vom 19.03.1932

Fräulein Oliva wird nach 30-jährigem Schuldienst aus dem Amt verabschiedet.


Sächsischer  Postillion vom 12.04.1932

Oberlehrer Hame berichtet dem Elternrat über die Finanzlage der Schule:

 

1930

1931

1932

Für Neuanschaffungen

1400,-

1100,-

700,-

Für Instandsetzungen

600,-

500,-

350,-

Für Heizung

3200,-

2900,-

2000,-



Die Verantwortungsvolle Arbeit des Elternbeirates der allgemeinen Volksschulen für die Zeit von 1920 - 1933 soll nachstehend gewürdigt werden. ( Aus den Akten des Schulausschusses 1920 bis 1933)


Mit Beschluß des Schulausschusses vom 3.12.1920 wird dem Elternbeirat für seine Sitzungen das Lehrerzimmer der Pestalozzischule zur Verfügung gestellt. Die sachlichen Kosten sollen von der Schulkasse übernommen werden. Es sollen 3 Zeitschriften Elternbeirat gehalten werden.


Der Stadtgemeinderat beschließt am 5.07.1922 die "Ordnung für die Wahl der Eternratsmitglieder für die Löbauer Volksschulen."

§ 1  Für die hiesigen Volksschulen wird ein gemeinsamer Elternrat gebildet; die Zahl seiner Mitglieder beträgt 15.

In weiteren Punkten sind die Modalitäten der Wahl festgelegt.

Unter dem 22.09.1922 teilt der Stadtrat mit, "daß die Wahl der Elternratsmitglieder am Sonntag, den 15.10.1922 von 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags in der Pestalozzischule stattfindet. Wahlberechtigt sind alle Eltern, die Kinder in die Preusker - und Pestalozzischule schicken. Als Wahlleiter ist Herr Michel gewählt worden. Wahlvorschläge, die von mind. 5 Wahlberechtigten unterschrieben sein müssen, sind bis spätestens 5.10.1922 beim Wahlleiter einzureichen. Die Verbindung von Wahllisten muß bis 7.10.1922 beim Wahlleiter schriftlich erklärt werden. Die Wahlvorschläge werden öffentlich bekannt gemacht."


Mit Presseveröffentlichung teilt der Stadtrat am l0. 0ktober 1922 mit

"Die für Sonntag, den l5.Oktober 1922 angesetzte Elternratswahl findet nicht statt, weil nur ein Wahlvorschlag eingegangen ist und die in diesem Vorschlag aufgeführten Personen als gewählt zu gelten haben.

Dem Elternrat gehören an:

Olga verehel. Decker, Hausfrau

Felix Poike, Fabrikbesitzer,

Emil Anders, Tischler

Lina verehel. Seibt, Hausfrau,

Franz Krebs, Oberamtsstraßenmeister

Max Walther, Buchhalter,

Emil Scholz, Arbeiter,

Paul Müller, Arbeiter,

Max Urban, Prokurist

Hermann Seifert, Bauunternehmer,

Kurt Genenncher, Buchdrucker,

Alwin Böhmer, Kr.-K.-Expedient,

Marie; verw. Kumann, Fuhrwerksbes.,

Otto Berger, Stadtamtmann,

Paul Kern, Arbeiter

 

Der Stadtrat

Dem Stadtrat sinngemäß verliefen auch in den folgenden Jahren die Elternbeiratswahlen. Interessant ist u.a., daß der Christliche Elternverein, Löbau, eine Vorschlagsliste zur Wahl am 11.05.1924 einreichte.


1929 wurde die Wahlzeit der amtierenden Elternratsmitglieder um ein Jahr verlängert. Bisher erfolgten die Wahlen jährlich.

( Staatszeitung  Nr. 44 v 21.2. 1929 )


1931 Wird die  Ordnung für die Wahl der Elternratsmitglieder der Löbauer Volksschulen verändert. Sowohl an der Pestalozzischule, als auch an der Preuskerschule wird je ein Elternrat, bestehend aus 7 Mitgliedern gebildet bzw. auf die Dauer von 2 Jahren gewählt.

In der Elternratswahl am Sonntag, den 3 . Mai 1931, wurden für die Pestalozzischule gewählt:

Christliche Liste

Stübner, Emma, Hausfrau

Wallenstein, Gottfried, Studienrat,

Seyfert, Johannes, Studienrat

Lucke, Selma, Hausfrau

Schmidt, Paul, Arbeiter

Mohaupt, Oskar, Prokurist,

Böhme, Marie, Hausfrau

Leinert, Alfred, Verw. Inspektor

Hempel, William, Malermeister

Stenke, Walter, kaufm. Angestellter

Claußnitzer, Liesbeth, Arbeiterin

Wünsche, Albert. Angestellte

Richter, Willy, Expedient

 

Freie weltliche Schule

Genenncher, Kurt, Schriftsetzer,

Schulze, Frieda, Hausfrau

Schuster, Lina, Hausfrau,

Roscher, Felix, Schriftsetzer

Adler, Alwin, Verbandsangestellter,

Ambros, Emmerich, Geschäftsführer,

Kuba, Fritz, Schuhmacher,

 


Der Sächs. Postillion vom 31.03. 1933 teilte mit:

Elternratswahlen in Sachsen.

Der Beauftragte für die Volksbildung hat folgende Anordnung getroffen.

Ich verordne:

1.      Die Verordgung über die Wahl der Elternräte vom 6. März 1933- VOBL.S.12 wird aufgehoben.

2.      Die Elternräte führen künftig die Bezeichnung Elternbeiräte.

3.      Bis auf weiteres arbeiten die bestehenden Elternbeiräte ohne ihre weltlichen Mitglieder weiter.

Mit dieser Verordnung werden die eigentlich für den Sonntag vor Pfingsten angesetzten Elternratswahlen aufgehoben. Gleichzeitig ist dafür gesorgt, daß künftig die marxistischen und gegen die Kirche eingestellten Elternbeiräte ausgeschaltet werden.


Mit Schreiben vom 19. 09. 1933 teilte die Pestalozzischule dem Stadtrat – Schulamt – mit, daß dem Elternbeirat folgende Eltern angehören:

Herr Studienrat Johannes Seyfert,

Herr Oberpostsekretär Alwin Werner

Herr Malermeister William Hempel

Herr Betriebsleiter Paul Schmidt

Frau Martha Baresch

Frau Marie Böhme

Frau Selma Linke

Lehrer Hartmann, Schulleiter



 

  • Keine Kommentare gefunden
   
© ALLROUNDER