6. Vom schweren Neubeginn 1945 - 1949

Der Geschützdonner, das Grollen der Front, waren verstummt. Nach mehr als 5 1/2 Jahren Krieg war nun F r i e d e n !

Geblieben waren Trümmer, Ruinen, umherirrende Menschen, die Haus und Hof, ihre Heimat verloren hatten, als Kriegsfolge. Ungezählt die Toten, Soldaten und Zivilisten.... !

Nach damaligen Schätzungen hatten 98% der Einwohner der Stadt Löbau diese in den letzten Kriegstagen verlassen. Alle Brücken in Löbau waren gesprengt worden, die Stadt vom Umland abgeschnitten.

Zaghaft kehrten die Einwohner in ihre Stadt zurück. Bei aller Hoffnungslosigkeit, die sich ausbreitete, stand im Vordergrund das "Überleben"

Der sowjetische Stadtkommandant wünschte, daß das zivile Leben schnellstens wieder in Gang käme. Für die einzelnen Verwaltungszweige hatten sich Löbauer Bürger zur Mitarbeit bereiterklärt, u.a. Herr Sieber für das Schulwesen.



Wie sah es nun in den Schulen aus ?

In der Pestalozzischule befand sich ein sowjetisches Feldlazarett, in dem deutsche Frauen und Mädchen arbeiteten und als Entgelt Lebensmittel erhielten.

Die Preuskerschule, ein Durchgangslager für Umsiedler. Täglich kommen 800 bis 1200 Zivilisten, meist aus Schlesien, denen ein Aufenthalt von 24 Stunden gewährt wurde.

Die Oberschule war ( heutiges Gymnasium ) seit 01.01.1945 mit Flüchtlingen und Um- und Aussiedlern belegt.


Am 23.05.1945 legt Johannes Leupold, Lehrer a.D. (er war von den Nazis als Lehrer entlassen worden) Gedanken über das künftige  Schulwesens vor. Nachstehende Auszüge:

Die Situation:

Aus einer in guter Entwicklung begriffenen Schule machte 1933 der Nationalsozialismus ein Instrument seiner Politik. Alle politisch gegnerischen Kräfte des Lehrerkörpers wurden beseitigt, die verbliebenen unter politisches Kuratel gestellt, Lehr- und Lernmittel ausschließlich dem Nazizweck dienstbar gemacht. ....

Die Folgerung:

Nicht eigene Kräfte des deutschen Volkes brachten die Befreiung. Die Veränderungen beginnen erst. Das bedeutet Niederreißen aller vorhandenen Anschauungen und Vorstellungen der bisherigen Bildungsziele, die die faschistisch-militaristische. Gewaltherrschaft sichern sollten.

Der Weg:

Soll die Schule ihre Aufgaben erfüllen, kann sie nur als ein Glied des Gesamtlebens eingesetzt und aufgebaut werden.  ...

Vom Kindergarten bis zur Hochschule muß ihr Ziel die Lösung der praktischen Aufgaben sein, zunächst die primitivsten Lebensbedingungen, unter denen wir infolge des Zusammenbruches stehen, zu meistern, die Kräfte hierfür heran- und auszubilden, um den Aufbau zu sichern. 

Das Ziel:

Die Schule ist ein lebendiges Glied der Gesellschaft .Sie dient ihrem Aufbau und ihrer Entwicklung. Aller Selbstzweck irgendwelcher Bildungsideale ist zu beseitigen.


Johannes Leupold wurde ab 01. 09. 1945 "Bezirksschulrat" .(Kreisschulrat), da sein Vorgänger Erich Vieweg eine Funktion im Bildungswesen in Dresden übertragen bekam.


Aus einem Schreiben des Landrates zu Löbau, Dr. Bobeth, vom 2. Juni 1945, an die Bürgermeister ist nachfolgende Bemerkung ersichtlich:

“Der Herr Kommandant verlangt, daß bereits eröffnete Schulen wieder geschlossen werden (Betätigung in der Landwirtschaft).”


25.August 1945. Die SMAD (Sowjetische Militäradministration) erlaßt den Befehl Nr.4o über die Vorbereitung der Wiederaufnahme des Schulunterrichts. Dieser Befehl seht in voller Übereinstimmung mit den Forderungen der demokratischen Kräfte und beschleunigt die Durchführung der demokratischen Schulreform.


Im August 1945 wurde eine Verordnung der Provinzialverwaltung Sachsen zur Säuberung der Schulen und zum Schulbeginn erlassen. Darin waren u.a. festgelegt:

·        Schulbeginn ab 1 Oktober 1945.

·        Lösung der Gebäude - und Raumprobleme bis 10.August.

·        Erfassung aller schulpflichtigen Kinder bis 10.August.

·        Zusammensetzung des Lehrkörpers – nicht nazistisch und militaristisch eingestellte Lehrer. Die Lehrer müssen bereit sein, die Schule im demokratischen Sinne umzubauen.  

·        Entlassung der nicht geeigneten Lehrer und Meldung derselben an die  Arbeitsämter.

·        Lehrer, die durch die Nazis infolge einer antifaschistischen Haltung entlassen wurden, sind sofort in den Schuldienst zu übernehmen, evtl. in leitende Stellungen.

·        Besetzung der leitenden Stellen und deren Bestätigung durch den Präsidenten der Provinzialverwaltung, Dezernenten  für Volksbildung.

·        Vernichtung der Lehrpläne und Schulbücher aus der Nazizeit.

·        Säuberung der Lehrer- und Schülerbüchereien von nazistischer und militaristischer Literatur.

·        Die gesammelten Bücher mußten unbrauchbar gemacht werden.

·        Zerstörung der Bilder von Heerführern und Führern des Naziregimes.

·        Aufhebung früherer Anordnungen anderer Stellen der Zivilverwaltung.

Die Landräte und Oberbürgermeister(Bürgermeister) hatten für ihre Ämter ein Amt für Volksbildung einzurichten. Die Mitarbeiter durften in keiner Weise nationalsozialistisch tätig gewesen sein,


Bereits Erich Vieweg hatte als erster antifaschistisch-demokratischer Schulrat am 4.Juli 1945 die Schulen wie folgt orientiert: " Das Wichtigste ist zur Zeit die Kinder von der Straße wegzunehmen, sie wieder an schulische Ordnung zu gewöhnen und, ihnen die Schule zur Freude werden zu lassen.”


Am 17.Juli 1945 betrug die Lebensmittelration der Stadt Bevölkerung pro Kopf und Woche; für Erwachsene und Kinder ab 3 Jahren: 1000 gr. Brot, 100 gr. Fleisch, 62.5 gr. Butter, 125 gr. Quark, 0.5 l Magermilch, Gemüse, Zucker, Nährmittel, nach Anfall.


Ein Offizier der Kommandantur der sowjetischen Armee in Löbau spielte in dieser schweren Zeit des Neubeginns eine besondere Rolle: Leutnant Akmirow, im Zivilberuf Lehrer an einer Schule im Ural. Unermüdlich eilte er im Kreisgebiet von Schule zu Schule, besorgte Kohle und Schreibpapier spornte Bürgermeister und Lehrer an, half mit, eine neue Generation von Lehrern zu werben die "Neulehrer". Junge Frauen und Männer, meist aus den Reihen der Arbeiterklasse, waren es, die selbst unermüdlich lernend, bis zu 30 Wochenstunden lehrten. Von den im Kreis Löbau zur Verfügung stehenden 264 Lehrern waren 161 Mitglieder in der NSDAP gewesen, von denen man sich trennen mußte. Der Lehrermangel konnte nur durch die Gewinnung von "Neulehrern" überwunden werden. Außerdem sollten sich alle aus Krieg und Gefangenschaft heimkehrenden Lehrkräfte mit gleichzeitiger Einreichung eines Fragebogens umgehend beim Bezirksschulrat melden. Durch die Umsiedlungen stiegen die Schülerzahlen ständig. Nach einer Statistik der Stadt Löbau vom  Mai 1947 waren von 3.360 Kindern bis zu 14 Jahren. 1.023 Umsiedlerkinder.

So war es kein Einzelfall, daß, als am 01.l0.1945 der Unterricht an den Schulen wieder begann, die Klassenstärken 40-50 und auch mehr erreichten.


Am 19.08.1945 wurde in einer Anweisung des Schulamtes die Prügelstrafe offiziell untersagt.


Von der Pestalozzischule liegt, eine Lohnliste für ”Scheuerfrauen" für die Zeit vom 01.-28.09.1945 vor, der Stundenlohn = 0,43 Pfennig. Schulleiter war Herr Berthold, ein unbelasteter Lehrer der Pestalozzischule.


Am 01.10.1945 beginnt an der Pestalozzischule, wie an allen Schulen der Unterricht.

Im Kreis Löbau sind zu dieser Zeit 134 Lehrkräfte tätig, davon 76 Neulehrer.

Der Niveauunterschied der Schüler einer Klassenstufe verlangte auch die Einführung von Nachhilfeunterricht, für besonders leistungsschwache Schüler. Die anzustrebende Klassenstärke wurde für den Kreis Löbau mit durchschnittlich 35 Schülern vorgegeben.

Die Pflichtstundenzahl wurde für alle Lehrer aller Schularten mit 28 und  für Laienhelfer mit 20 Stunden pro Woche festgelegt. Die Klassenstundenzahl sollte nicht unter 12 Std. in der Woche liegen. Lehrer erhielten am Anfang nur Abschlagszahlungen, gestaffelt nach Schulhelfern und wissenschaftlichen Kräften. 200 RM durften dabei im Monat nicht überschritten werden.

Junglehrer (Ausbildungszeit zwischen 1933-45) durften zunächst nur als Helfer eingestellt werden und mußten Ausbildung und Abschluß nachholen.


Zur Frage des Religionsunterrichtes war man der Meinung, daß der Streit der Weltanschauungen und der Konfessionen nicht innerhalb der Schule ausgetragen werden darf.

In einer Weisung des Bezirksschulrates Leupold vom 19.September 1945 heißt es dazu:

“Religionsunterricht wird als Schulfach nicht erteilt, er ist Angelegenheit der Religionsgemeinschaften. Wo Kirchen keine eigenen Räume haben, können sie durch die Schule zur Verfügung gestellt werden. “


Am 12.Juni 1946 wurde im letzten Lande der damaligen sowjetischen Besatzungszone, in Thüringen, von allen antifaschistisch- demokratischen Parteien der von Pädagogen erarbeitete Schulgesetzentwurf angenommen. (Schulgesetzentwurf der Deutschen Verwaltung für Volksbildung)

Damit wurde in allen 5 Ländern der späteren DDR der Grundstein für die demokratische Schulreform gelegt. In Würdigung des 12.Juni 1946 wurde alljährlich in der DDR dieser Tag als Tag des Lehrers und Erziehers würdig begangen.

Am 8.September 1946 erfolgte die Schuleinführung von 153 ABC- Schützen in die Pestalozzischule Löbau “im Beisein der Elternschaft wurden die Schulneulinge mit Aufführungen der älteren Schüler erfreut und hielt Schulleiter Berthold eine vom neuen Geist getragene Einführungsansprache.”

                                                                 (Sächs. Rundschau vom 13.09.1946)


Im September/Oktober 1946 fand der 4.Lehrgang zur Ausbildung von Lehrern in Lauba statt. Kreisschulrat Leupold umriß seine Forderungen an den künftigen Lehrer wie folgt:

1.      Gefestigter und sauberer Charakter dem Staat und Elternschaft volles Vertrauen entgegenbringen können.

2.      Solides und gründliches Wissen, ohne das ein Lehrer nicht bestehen kann.

3.      Natürliche Befähigung und Neigung zum Pädagogen, denn in der Schule wollen wir nicht mehr befehlen und kommandieren, sondern wir wollen erziehen und lehren.

4.      Der neue Lehrer muß ein von Grund auf freudiger Mensch sein, er muß verstehen, selbst Kind unter Kindern zu sein, sonst wird er sich die kindlichen, Herzen nicht erobern können.

5.      Vor allem aber darf der neue Lehrer nicht nur in der Schule stehen, wenn er seine Aufgabe erfüllen will, er muß Lehrer des ganzen Volkes sein, Lehrer und Erzieher zu den großen fortschrittlichen Zielen der Menschheit.

Eine große Zahl von "Neulehrern" hat die Heimschule für Lehrerbildung in Lauba besucht und dort ihr erstes Rüstzeug für den Unterricht erhalten.


Die Lausitzer Rundschau meldet am 13.09.1946:

"Allgemeine Schulspeisung":

Auf Befehl der SMA erhalten alle Schüler eine zusätzliche Frühstücksportion, welche nicht von den Lebensmittelkarten abgerechnet wird.

Eine Handreichung für den "Neulehrer" waren die Hefte “Lernen und Lehren" des Volk- und Wissen Verlages, die in den Jahren 1945/46 erschienen und sehr begehrt waren. Sie verstanden sich und so auch der Untertitel, als, methodische Schriften für lernende Lehrer. Namhafte Pädagogen gaben kurzgefaßte praktische Hinweise.


In dem Vorwort von Prof. Dr. R. Strecker zu;

Kleine Einführung in die Unterrichtstechnik”, heißt es u.a. " Eine erste Hilfe - mehr kann und will dieses schlichte Büchlein nicht bieten, ein paar Ratschläge aus der Praxis für die Praxis, alte, erprobte, allgemein gültige Wahrheiten....

Wenn es dem Neuling im Lehramt dazu verhülfe, grobe Verstöße bei der Arbeit zu vermeiden dann hätte es seinen ersten Zweck erfüllt. .....

Bereits am 22.0ktober 1945 erließ die Landesverwaltung Sachsen eine Verordnung über die Bildung von Jugendausschüssen.

Am 28.Oktober 1945 fanden sich in Löbau Jugendliche zusammen, die unter Leitung von Walter Kneschke, er war ehemals Schüler der Pestalozzischule und war bis 1945 im KZ Sachsenhausen inhaftiert, weil er der Kommunistischen Jugendbewegung angehörte bzw. der KPD, diesen örtlichen Jugendausschuß gründeten. Die Stadtverwaltung stellte die ehem. Gaststätte "Löbauer Schweiz" als Jugendheim zur Verfügung. Die Räume mußten allerdings erst durch eigene Arbeit hergerichtet werden. Ein Anliegen, das trotz unvorstellbarer Schwierigkeiten gemeistert wurde.

Den Jugendausschüssen wurde u.a. die Aufgabe gestellt, sich um die Kinder im Alter von 6-'14 Jahren zu kümmern und sie in der "Kinderland- Bewegung" zu erfassen auch mit ihnen Sport und Spiel zu treiben.

Aus dem "Zentralen Jugendausschuß" erfolgte am 07.03.1946 in Berlin die Gründung der Freien Deutschen Jugend (FDJ). In Sachsen erfolgte die Gründung der FDJ am 20.03.1946, in Löbau im April '1946 in der Festhalle der EOS. - Die am 28.05.1947 gegründete Kindervereinigung wurde auf Beschluß des Zentralrates der FDJ am l3.12.1948 in den Verband der "Jungen Pioniere" umgewandelt.                                                           An allen Schulen entstanden Grundorganisationen der FDJ und der Pionierorganisation.

Ab 1946 gab es an der Pestalozzischule Löbau eine Planstelle für eine Schulsekretärin. Fräulein Christa Rösler aus Schönbach, später verheiratet mit unserem Kollegen Manfred Kallus, erinnert sich:

Schulleiter war Herr Berthold, dazu waren 18-20 wohl meist junge Lehrer an der Schule tätig. Die Klassenstärke in den 1.-8. Klassen lag bei 30-35.

Die Verwaltung der Schule mußte völlig neu aufgebaut werden. Es gab bereits neue Lehrbücher und die Lehrmittel, sofern sie noch vorhanden waren, befanden sich auf dem Boden der Schule.

Die Schulspeisung, erfolgte derart, daß die Kinder ein Töpfchen mitbrachten in das die in der Schulküche gekochte Mehlsuppe gefüllt wurde, die dann aus dem Behälter geschlürft bzw. getrunken wurde. Alles dies geschah in der großen Pause. Dazu gab es ein Roggenbrötchen.

Später ging man dazu über, Schulschnitten (mit Butter bestrichen und mit Wurst belegt) fertig zu machen, die dann von den "Semmeljungen" aus den Klassen in der Schulküche im Keller abgeholt wurden. Dieser Service mußte dann zu einem späteren Zeitpunkt auch von den Eltern bezahlt werden. In der Schulküche wurde dann auch Mittagessen gekocht, Koch war ein Herr Brendel. Jedes Jahr erfolgten Schuluntersuchungen durch Dr.Schöne in allen Klassen. Die Ergebnisse wurden auf Gesundheitsbögen festgehalten. Besonders der Jodmangel führte zu vergrößerten Schilddrüsen.

Jährlich fanden auch Kontrollen bezüglich Läuse statt. Von der Schulverwaltung (Schulamt) erhielt die Schule Bezugscheine für Schuhe (weniger für Bekleidung), die nach Bedürftigkeit über die Schule verteilt wurden. Zum Schuleintritt wurde darauf geachtet, daß die Zuckertüten eine einheitlich kleine Größe hatten, die sie von der Schule nicht von den Eltern, erhielten. Der Frauenausschuß buk dazu Plätzchen, die in die Zuckertüte kamen. Jährlich wurden 3-4 neue 1.Klassen aufgenommen.

Hausmeister war damals das Ehepaar Kohl, danach Alwin Rose. Die Hausmeisterwohnung befand sich damals noch im Keller, jetzt sind dort Werkräume. Ein großes Problem war immer wieder die Versorgung mit Kohlen. Es kam vor, daß durch Kohlenmangel die Klassen der Pestalozzischule in einen Flügel der Geschwister-Scholl-Schule zogen, wo der Unterricht weitergeführt wurde.

Das technische Personal bestand damals aus Frau Firzlaff, Frau Höll und Frau Miersch. Die Lehrer unterrichteten in allen Fächern

Die Bildstelle des Kreises hatte das Zimmer 17 auf längere Zeit belegt.

Die von den Lehrern benötigte Kreide wurde von der Verwaltung den Kollegen zugeteilt mit dem Hinweis, sparsam damit umzugehen.

Ein Problem waren die Schulmöbel. Die Masse des Mobiliars war in dem Gewerbegebiet an der heutigen Sachsenstr. bei Kriegsende verbrannt. So wurden überzählige Möbel von anderen Schulen aufgestellt, sicherlich nicht immer die idealen Größen.

Anfallende Schäden wurden durch den Hausmeister repariert.

Herr Berthold war ein vielbeschäftigter Mann, war er doch auch für die Weiterbildung der "Neulehrer" zuständig.

Betreffs der Klassenbücher, der ersten Jahrgänge, so besteht die Möglichkeit, daß diese an das Kreisarchiv abgeführt werden mußten.

Die Projektgruppe, "l00 Jahre Pestalozzischule führte 1996 ein Gespräch mit Frau Erika Günter, geboren: Scholz, die ab Januar 1946 an der Pestalozzischule tätig war. Sie berichtete, daß sie, viele andere auch, kriegsbedingt, das Notabitur 1944 an der Oberschule abgelegt hat, dann in einem Lazarett tätig war. Ende 1945 wurden in Löbau dringend “Neulehrer” gesucht. Im Dezember 1945 hat sie sich zur Neulehrerprüfung beworben ( Sprachen und Mathematik ) und bekam vor Weihnachten 1945 die Mitteilung, daß sie die Prüfung bestanden habe und sie ab 01.01.1946 als Neulehrer an der Pestalozzischule Löbau ihren Dienst antreten durfte.

Sie stellte sich beim Schuldirektor Herrn Berthold vor, der ihr verkündete- “Wer sich nicht bewährt an dieser Schule, wird aufs Land versetzt!”

Stellvertreter von Herrn Berthold, war Frau Dietze. Neulehrer waren auch Herr Benedix, Frau Kafka, verh. Bernert, Fritz Köpernick u.a.- Rudolf Fritz, Rudolf Knobloch- Sie waren eingesetzt in den Klassen 5 und 6 mit Biologie, Deutsch, Erdkunde. Lehrer gab es inzwischen, Lehrpläne gab es nicht.

Es herrscht großer Mangel an Schreibpapier es wurde sogar auf Zeitungsrändern geschrieben.

1946 fanden mehrwöchige Weiterbildungsver-anstaltungen an der Heimschule für Lehrer statt, an denen sie teilnahm.

In der Pestalozzischule gab es natürlich auch Nachmittagsunterricht, der bis gegen 17 Uhr ging.

Bei Einbruch der Finsternis dann die unvermeidlichen Stromsperren.

Besonders in den Nachmittagsstunden in der Schule machten sich Hunger und Müdigkeit bei den Schülern bemerkbar.

1948 konnte Frau Günter, damals noch Frläulein Scholz, die 1. und 1950 die 2. Lehrerprüfung ablegen. Ihr Verdienst betrug damals, 1946, 180,- RM.

Um den Mangel an Schuhen abzuhelfen trugen die Schüler z.T. auch Holzschuhe mit Gummisohlen von Gummireifen. Ihre Tasche war aus Zeltleinwand.

Damals gab es in der Pestalozzischule noch die alten Toiletten. Auch an die Schulküche erinnert sie sich und an die Schulspeisung, ein Roggenbrötchen, dazu eine Tasse Mehlsuppe.

Hausmeister war Herr Kohl, dann kam Herr Rose.   

Die Schüler, damals, sie wollten Lernen ! Herr Seel ist einer ihrer ehemaligen Schüler. Nach ihrer Meinung waren die Klassen damals nach  Geschlechtern getrennt, reine Jungen- und Mädchenklassen. Die Klassenstärke lag bei 40 Schülern und mehr.

Aus dem Jahre 1949 ( 18. 07. 0949 ) existierten Unterlagen über die Durchführung der “ Demokratischen Jugendfeier “ am 23. und 24. Juli 1949 in Löbau, vorbereitet und organisiert von den “Freunden der neuen Schule”, der sich als Ausschuß verstand.

Am 23.Juli: Abendfeier im Festsaal der Oberschule ausgestaltet durch die FDJ

24.Juli:  9 Uhr künstlerisch umrahmte Feierstunde für  die Grundschulen im Festsaal, nachmittags Schulfest für die gesamte Schuljugend der Grundschulen 13.45 Stellen der Schüler in ihren Schulen und anschließend gemeinsamer Festzug mit Musik über den Altmarkt nach dem Volkspark. Dort, sowie auf dem Sportplatz Georgewitzer Str. , Spiel, Sport, Belustigungen u. Konzert. Für Kaffee und Gebäck ist reichlich Sorge getragen dank der Unterstützung der Landwirte und Ortsorganisationen.


Der Ausschuß "Freunde der neuen Schule" geht in seiner Zusammensetzung aus folgender Meldung hervor:

 Bürgermeister Tütig 
 1.Vors.
 Frau Käthe Schlein
 als Vertreterin des Schulausschusses
 Frau Gretel Roßburg
 als Vertreterin der FDJ
 Herr Alfred Bielka
 als Vertreter des Elternausschuß der Pestalozzischule 
 Herr Kurt Tischner  als Vertreter des Elternausschuß der Preuskerschule
 Herr Erhard Clemens   als Vertreter der Lehrerschaft der Pestalozzischule
 Herr Karl Hofmann
 als Vertreter der Lehrerschaft der Preuskerschule

 

Auf Beschluß des Deutschen Volksrates wurde am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik gegründet.


 

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